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DILL-NEWSLETTER 1/2017: Aufwendungen rund ums hÀusliche Arbeitszimmer

Damit Sie das Finanzamt daheim in Ruhe arbeiten lÀsst

Aufwendungen rund ums hĂ€usliche Arbeitszimmer Bestimmt möchten auch Sie in Ihrem Arbeitszimmer am liebsten doch nur eines: in Ruhe arbeiten. Wenn da nur nicht das Finanzamt wĂ€re. Das nĂ€mlich macht oft Stress, wenn es um die  Anerkennung der Kosten fĂŒr das hĂ€usliche Arbeitszimmer geht. Dabei liegen einfache Lösungen oft recht nah.

Wie streng es das Finanzamt mit den Regeln rund um das hĂ€usliche Arbeitszimmer nimmt (und auch nehmen darf), zeigen immer wieder die Entscheidungen der Finanzgerichte und insbesondere des Bundesfinanzhofs (BFH) zu diesem immer wieder umstrittenen Thema. „Dabei gibt es durchaus GestaltungsspielrĂ€ume, mit denen die Chancen fĂŒr eine Anerkennung deutlich steigen“, weiß Steuerberater Wolfgang Dill aus Limburg. Anhand zweier vergleichsweise aktueller Urteile des BFH zeigt er, wo in der Praxis mögliche LösungsansĂ€tze liegen könnten.

Ausstattung ließ RĂŒckschlĂŒsse auf eine private Mitbenutzung zu

Im ersten Fall ging es um einen so genannten Coach, der fĂŒr einen Raum in der angemieteten Wohnung Miet- und Mietnebenkosten als Betriebsausgaben fĂŒr ein hĂ€usliches Arbeitszimmer geltend machen wollte (BFH, Urteil vom 22. MĂ€rz 2016, Az. VIII R 24/12). Das Finanzamt fĂŒhrte in der Wohnung prompt eine Ortsbesichtigung durch. Daraufhin versagte es die Anerkennung der Aufwendungen. „Das Problem lag dabei nur bedingt an der Möblierung des Arbeitszimmers“, so der Limburger Steuerexperte. Es war unter anderem mit einem Schreibtisch, einem Regal und einem Flipchart ausgestattet, also alles durchaus Arbeitszimmer-typisch.

Allerdings gab es in dem Raum einen langen Tisch mit sechs StĂŒhlen (der fĂŒr bis zu 20 Coaching-Sitzungen im Jahr genutzt wurde) und einen Kachelofen mit umlaufender Bank. „Und hier begannen die Probleme“, berichtet der Steuerberater. Schließlich eigne sich so ein langer Tisch in den Augen des Finanzamts auch gut fĂŒr die Bewirtung mehrerer (privater) GĂ€ste. Vor allem aber könne das Zimmer auch ganz normal als Esszimmer genutzt werden. Speziell in der kalten Jahreszeit böte sich der Aufenthalt hier aufgrund des Kachelofens an. Hinzu kam noch die TĂŒr zum Balkon, der einen schönen Blick auf die Umgebung ermöglichte.

Das Arbeitszimmer war schlicht ĂŒberdimensioniert

„Das wohl grĂ¶ĂŸte Problem hatte das Finanzamt aber in der schieren Dimension des ,Arbeitszimmers’“, sagt der Limburger Steuerfachmann. Mit 37 Quadratmetern war der Raum nĂ€mlich der grĂ¶ĂŸte in der gesamten Mietwohnung. All diese Indizien zusammen ließen den Schluss zu, dass das Zimmer auch privat mitgenutzt wurde. Die Richter am Bundesfinanzhof sahen das genauso. Die vollstĂ€ndige Versagung des Betriebsausgabenabzugs sei allein aufgrund der hinlĂ€nglich wahrscheinlichen privaten Mitbenutzung rechtens.

Mögliche Lösung von Steuerberater Wolfgang Dill: „Entscheiden Sie sich bei der Wahl des Arbeitszimmers nicht fĂŒr den grĂ¶ĂŸten Raum der Wohnung. Achten Sie darauf, dass die Ausstattung  bĂŒromĂ€ĂŸig ist und nicht auf eine erhebliche private Mitbenutzung schließen lĂ€sst. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass in den weiteren RĂ€umen der Wohnung die entsprechenden Möbel fĂŒr private Ereignisse vorhanden sein sollten. Am Beispiel des genannten Falles wĂ€re das ein Esstisch mit genĂŒgend StĂŒhlen.“

Fehlende Abtrennung zum angrenzenden Wohnbereich

Im zweiten Fall (BFH, Urteil vom 22. MĂ€rz 2016, Az. VIII R 10/12) ĂŒbte ein selbststĂ€ndiger Architekt seine BerufstĂ€tigkeit ausschließlich in seiner angemieteten Wohnung aus. Er nutzte hierzu im Untergeschoss zwei KellerrĂ€ume als BĂŒro und einen weiteren Kellerraum als Archiv.

Im Obergeschoss gab es einen Raum, der als Wohn- und Esszimmer bezeichnet war. Er wurde sowohl zu Wohnzwecken als auch als BĂŒro genutzt. Betrat man das Zimmer von der Diele aus, befand sich auf der einen Seite des Zimmers der Arbeitsbereich. Er war mit einem ca. ein Meter hohen Sideboard vom Wohnzimmerteil abgetrennt, der sich ĂŒber den restlichen Raum erstreckte. Im Arbeitsbereich befanden sich u.a. ein Schreibtisch mit Computer und mehrere AktenschrĂ€nke. Vom Arbeitsbereich aus konnte der Architekt am Sideboard vorbei den Wohnzimmerbereich betreten. Dort befand sich ein Tisch mit vier StĂŒhlen. Außerdem gelangte man vom Arbeitsbereich aus in die KĂŒche, die jedoch ebenfalls ĂŒber die Diele erreicht werden konnte.

Finanzamt erkannte Aufwendungen fĂŒr den gemischt genutzten Raum nicht an

„Das Finanzamt erkannte im Anschluss an eine AußenprĂŒfung nur Mietaufwendungen fĂŒr die KellerrĂ€ume als Betriebsausgaben an“, berichtet Steuerberater Wolfgang Dill. „Es ließ aber weder die Aufwendungen fĂŒr den im Obergeschoss liegenden gemischt genutzten Raum noch die vom Architekten geltend gemachten anteilig auf FlĂ€chen in KĂŒche, Diele und Bad entfallenden Aufwendungen zum Abzug zu.“

Der BFH schloss sich dieser Sichtweise an: Ein Arbeitsbereich, der vom angrenzenden Wohnzimmer aus durch einen offenen Durchgang ohne TĂŒrabschluss betreten werden kann, gilt nach geltender Rechtslage nicht als  Arbeitszimmer, ebensowenig wenn er durch einen Raumteiler vom Wohnbereich abgetrennt oder auf einer Empore bzw. offenen Galerie eingerichtet ist.

Mögliche Lösung von Steuerberater Wolfgang Dill: „Wer in einem solchen Fall den Steuervorteil bei gemischter Nutzung entsprechend großer RĂ€ume in Anspruch nehmen will, muss wohl oder ĂŒbel zu Umbaumaßnahmen greifen. Zum Beispiel könnte der Wohnbereich durch eine Rigipswand und eine eigene TĂŒr vom Arbeitszimmer abgetrennt werden.“

Foto: Antonioguillem/fotolia.de


Was können Sie tun?

Informieren Sie sich regelmĂ€ĂŸig zur Rechtslage rund um das hĂ€usliche Arbeitszimmern

Auch in Zukunft wird das Thema Arbeitszimmer den Bundesfinanzhof beschĂ€ftigen. Aktuell sind Revisionsverfahren bei vier verschiedenen Senaten anhĂ€ngig. PrĂŒfen Sie bei einem Streit mit dem Finanzamt daher gemeinsam mit uns, ob der Sachverhalt bereits in einem Ă€hnlich gelagerten Fall verhandelt wird. Dann nĂ€mlich können Sie (gerade bei einem ablehnenden Bescheid des Finanzamts) unter Verweis auf das laufende Verfahren einen Einspruch einlegen und den Ausgang abwarten. Wir bieten Ihnen dazu kompetente Hilfestellung: kontakt/at/steuerberater-dill.de

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